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Vorbehalte

Manche Aspekte der Organ- und Gewebespende erschließen sich erst, wenn man sich genauer damit auseinandersetzt. Schaut man nicht genau hin, ist Spielraum für Interpretationen, Missinterpretationen und Missverständnisse.
Die Klarstellungen können hoffentlich dazu beitragen, dass es ein paar Fehlinformationen weniger gibt.

Die Organ- und Gewebespende sieht sich tagtäglich mit Vorurteilen und gängigen Klischees konfrontiert. Diese beruhen meist auf unzureichenden Kenntnissen und lassen sich nur schwer beheben. Dabei genügt es oft, sich eingehend mit der Thematik zu beschäftigen. Auf www.organspende-info.de erhalten Sie deshalb umfassende Informationen zur Organ- und Gewebespende.

Wir haben hier die häufigsten Vorbehalte einmal zusammengefasst, um zum Nachdenken anzuregen sowie falsche Informationen aufzuheben.

  • Organhandel ist verboten

    Vorbehalt 1: Organe werden entnommen, um damit gewinnbringend Handel zu treiben.

    Das 1997 verabschiedete Transplantationsgesetz verbietet Organhandel. Das Übertragen sowie das Sich-Übertragen-Lassen gehandelter Organe werden unter Strafe gestellt. Seit geraumer Zeit werden zudem Regelverstöße gegen die Vorgaben im TPG und Richtlinien strenger geahndet. Auch in anderen Bereichen gibt es weitreichende Verbesserungsvorschläge, um das System der Organvergabe sicherer und transparenter zu gestalten. Hier sind neben den flächendeckenden unangekündigten Stichprobenprüfungen in den Transplantationszentren auch die interdisziplinären Transplantationskonferenzen zu nennen. In den Konferenzen wird künftig gemeinsam mit medizinischen Fachrichtungen, die keine Verbindung zur Transplantationsmedizin haben, über die Aufnahme in die Warteliste entschieden.

  • Sichere Diagnose Hirntod

    Vorbehalt 2: Man kann nicht zweifelsfrei sagen, ob der unumkehrbare Ausfall der gesamten Hirnfunktionen (Hirntod) eingetreten ist.

    Der unumkehrbare Ausfall der gesamten Hirnfunktionen (Hirntod) lässt sich durch eine Serie vorgeschriebener Untersuchungen zweifelsfrei feststellen. Die Sicherheit der Diagnose beruht auf einem dreistufigen Untersuchungsschema sowie speziellen Anforderungen an die Qualifikation, Neutralität und Zahl der untersuchenden Ärzte. Der Hirntod wird definiert als Zustand der irreversibel erloschenen Gesamtfunktion des Großhirns, des Kleinhirns und des Hirnstamms. Er ist das sichere innere Todeszeichen des Menschen

  • Narkosegabe bei Transplantation

    Vorbehalt 3: Bei der Organentnahme spürt man Schmerzen, sonst würde man doch keine Narkose verabreichen.

    Nach dem unumkehrbaren Ausfall der gesamten Hirnfunktionen (Hirntod) gibt es keine Schmerzempfindung mehr. Daher sind keine Maßnahmen zur Schmerzverhütung (z. B. Narkose) nötig. Jedoch verabreichen Anästhesisten bei einer Entnahmeoperation Mittel, die u. a. der Organdurchblutung und der Ruhigstellung der Muskulatur dienen (Siehe „Lazarus-Zeichen“). Diese Maßnahmen verfolgen dabei ausschließlich den Zweck, die Funktionsfähigkeit der zu entnehmenden Organe zu erhalten.

  • Altersgrenze Organ- und Gewebetransplantation

    Vorbehalt 4: Ich bin zu alt für die Organ- und Gewebespende.

    Es gibt keine feste Altersgrenze für eine Organ- und Gewebespende. Ob gespendete Organe und Gewebe für eine Transplantation geeignet sind, wird im Todesfall medizinisch geprüft. Entscheidend ist dabei nicht das kalendarische Alter des Spenders oder der Spenderin, sondern der Gesundheitszustand, d. h. das biologische Alter der Organe und Gewebe. Generell gilt: je jünger die verstorbene Person ist, desto mehr Organe eignen sich zur Transplantation. Doch auch die funktionstüchtige Niere einer mit über 70 Jahren verstorbenen Person kann einem Menschen wieder ein fast normales Leben schenken.

  • Vergabe von Spenderorganen

    Vorbehalt 5: Die Organe erhalten die, die am meisten für ein gespendetes Organ bezahlen.

    Für die Vergabe von Spenderorganen ist die Stiftung Eurotransplant im niederländischen Leiden zuständig. Dort laufen die Daten aller Patientinnen und Patienten, die auf eine Transplantation warten und die Daten der gespendeten Organe zusammen. Computergesteuert wird dort nach sorgfältig festgelegten medizinischen Kriterien die passende Empfängerin bzw. der passende Empfänger für ein Spenderorgan ermittelt. Diese Vergabe der Organe im so genannten Standardverfahren erfolgt nach Richtlinien der Bundesärztekammer, wobei vor allem auf Dringlichkeit und Erfolgsaussicht geachtet wird. Die finanzielle Situation des Empfängers oder der Versicherungsstatus spielen bei der Organvergabe keine Rolle, genauso wenig wie die Tatsache, ob man Kassenpatient oder Privatpatient ist.

  • Feststellung Hirntod

    Vorbehalt 6: Ich werde zu früh für tot erklärt, nur damit meine Organe entnommen werden dürfen.

    Die Befürchtung ist sachlich unbegründet. Wenn ein Patient mit schweren Hirnschädigungen aufgegeben würde, indem die Intensivtherapie reduziert oder abgebrochen wird, wäre auch eine potenzielle Organspende nicht mehr möglich, da in der Folge der Kreislauf zusammenbrechen würde. Außerdem ist ein Arzt immer vorrangig am Überleben und an der Genesung „seines“ Patienten interessiert und  nicht am Wohlergehen eines eventuellen Organempfängers. Dazu ist er aufgrund seines hippokratischen Eides verpflichtet.

  • Diagnose Hirntod durch Ärzte

    Vorbehalt 7: Auch Pflegekräfte diagnostizieren den unumkehrbaren Ausfall der gesamten Hirnfunktionen (Hirntod).

    Nein, das stimmt nicht. Die Feststellung des unumkehrbaren Ausfalls der gesamten Hirnfunktionen (Hirntod) darf nur von Ärzten oder Ärztinnen vorgenommen werden, die in der Intensivbehandlung von Patienten mit schweren Hirnschädigungen erfahren sind. Spezielle Richtlinien schreiben dies vor. Außerdem müssen die vorgeschriebenen Untersuchungen von zwei Ärzten oder Ärztinnen unabhängig voneinander durchgeführt werden.

  • Kontraindikationen Organ- und Gewebespende

    Vorbehalt 8: Ich habe eine schwere Krankheit und darf sowieso nicht spenden.

    Eine Organentnahme ist grundsätzlich ausgeschlossen, wenn bei der oder dem Verstorbenen eine akute Krebserkrankung oder ein positiver HIV-Befund vorliegt.  Bei allen anderen Erkrankungen entscheiden die Ärzte nach den erhobenen Befunden, ob eine Organ- und Gewebespende infrage kommt. So ist auch nach einer ausgeheilten Krebserkrankung eine Organspende prinzipiell möglich.

  • Leichnam nach Organentnahme

    Vorbehalt 9: Nach einer Spende ist der Leichnam entstellt.

    Die Entnahme findet in einem normalen Operationssaal statt mit der selben chirurgischen Sorgfalt wie andere Eingriffe auch. Die Ärztinnen und Ärzte verschließen die operativen Einschnitte nach der Entnahme wieder, um den Körper zur Beisetzung an die Angehörigen zu übergeben. Das Transplantationsteam geht zu jedem Zeitpunkt respektvoll mit dem Körper der oder des Toten um. Der Leichnam wird durch eine Organ- und Gewebespende nicht entstellt.

  • Organvergabe Eurotransplant

    Vorbehalte 10: Der Arzt entscheidet selbst, wer die Organe erhält.

    Die an einer Transplantation beteiligten Ärzteteams haben keinerlei Entscheidungsbefugnis auf diesem Gebiet. Für die Vergabe von Spenderorganen ist allein die Stiftung Eurotransplant im niederländischen Leiden zuständig. Computergesteuert wird dort nach sorgfältig festgelegten medizinischen Kriterien die passende Empfängerin bzw. der passende Empfänger für ein Spenderorgan ermittelt. Diese Vergabe der Organe im so genannten Standardverfahren erfolgt nach Richtlinien der Bundesärztekammer, wobei vor allem auf Erfolgsaussicht und Dringlichkeit geachtet wird.

  • Blutspendetauglichkeit vs. Organspendetauglichkeit

    Vorbehalt 11: Ich darf kein Blut spenden, demnach kommt eine Organ- und Gewebespende auch nicht infrage.

    Zwischen der Blutspendetauglichkeit und der Organ- und Gewebespendetauglichkeit liegt kein kausaler Zusammenhang. Aus diesem Grund stellt die Tatsache, dass man kein Blut spenden darf, zunächst keine Kontraindikation bzgl. einer Organ- und Gewebespende dar. So kann zum Beispiel eine Person aufgrund eines Eisenmangels zwar kein Blut spenden, eine Organ- und Gewebespende schließt dies jedoch erst einmal nicht aus.

  • Erfolgsaussichten Organübertragungen

    Vorbehalte 12: Die Wahrscheinlichkeit, dass ein gespendetes Organ vom fremden Körper angenommen wird, ist schwindend gering.

    Organübertragungen haben sehr gute Erfolgsaussichten. So funktionieren beispielsweise 88 Prozent der transplantierten Nieren noch nach einem Jahr, nach fünf Jahren sind es noch 74 Prozent. Bei den anderen Organen liegen die Erfolgsraten nur geringfügig darunter. Auch Augenhornhäute sind beispielsweise gut transplantierbar: 95 Prozent haben ihre volle Funktionstüchtigkeit noch nach einem Jahr, 80 Prozent nach fünf Jahren.

  • Registrierung Organspendebereitschaft

    Vorbehalte 13: Ich möchte nicht, dass meine Entscheidung zur Organ- und Gewebespende irgendwo registriert wird.

    In Deutschland gibt es kein Organspenderegister. Es genügt, wenn Sie einen Organspendeausweis ausfüllen und diesen am besten zusammen mit Ihrem Personalausweis stets bei sich tragen. Zudem ist es wichtig, dass Sie Ihre Entscheidung auch Ihren Angehörigen mitteilen, damit diese im Fall der Fälle informiert sind und nicht selbst eine Entscheidung treffen müssen.

  • Dokumentation Organspendebereitschaft

    Vorbehalte 14: Es ist so kompliziert, seine Entscheidung zur Organ- und Gewebespende zu dokumentieren.

    Die persönliche Entscheidung zur Organ- und Gewebespende ist in wenigen Schritten dokumentiert und ein völlig unbürokratischer Akt. Es ist auch möglich, die Erklärung auf einem Bogen Papier formlos festzuhalten. Eine testamentarische Erklärung ist jedoch nutzlos, da ein Testament zu einem Zeitpunkt eröffnet wird, an dem es für eine Organentnahme zu spät ist. Wichtig ist, dass Sie Ihren Organspendeausweis stets bei sich führen, am besten zusammen mit Ihrem Personalausweis. Zudem sollten Sie mit Ihren Angehörigen über Ihre Entscheidung sprechen, damit diese informiert sind. Unter www.organspende-info.de/organspendeausweis/bestellen können Sie den Ausweis kostenfrei bestellen oder gleich am PC ausfüllen und sich anschließend ausdrucken.

  • Konsequenzen Manipulationsvorfälle

    Vorbehalte 15: Nach den Manipulationsvorfällen gab es keine Konsequenzen.

    Doch, die gab und gibt es. Als Konsequenz aus diesen Vorfällen zur Organ- und Gewebespende gab es in vielen Bereichen weitreichende Verbesserungsvorschläge, um das System der Organvergabe sicherer und transparenter zu gestalten, die auch schon umgesetzt wurden. So haben die flächendeckenden unangekündigten Stichprobenprüfungen in den Transplantationszentren erst zu der Aufdeckung der Vorfälle in Leipzig geführt. In den nächsten zwei Jahren werden alle Transplantationszentren so einer Prüfung ausgesetzt, um das System transparenter und sicherer zu gestalten. Auch die interdisziplinären Transplantationskonferenzen sind hier zu nennen. In den Konferenzen wird künftig gemeinsam mit medizinischen Fachrichtungen, die keine Verbindung zur Transplantationsmedizin haben, über die Aufnahme in die Warteliste und deren Führung entschieden.

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