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Achim Quary

Achim Quary lächelt vor einem weißen HIntergrund in die Kamera. * Geboren am 24. Januar 1961
* Nierentransplantation
(Lebendspende) am 2. Februar 2010

Achim Quary lebt mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen in Pölich an der Mosel.

Achim Quary ist Organpate, weil er sein Leben komplett verändert hat.

Risikomanagement, Wechselkurse, Zins- und Liquiditätsmanagement haben das Wirken und Leben Achim Quarys lange dominiert. Er leitete die Abteilung "Treasury" einer großen Bank. Die Karriere lief glänzend, doch die Zeit für ein erfülltes Privatleben war rar.

Eine Zäsur

Als Achim Quary 2006 erkrankt, glauben alle, Stress sei die Ursache. Der hohe Blutdruck und die damit verbundenen Beschwerden haben jedoch andere Gründe. Die Diagnose der Ärzte lautet IGA-Nephritis, eine entzündliche Erkrankung der Nieren. Innerhalb der nächsten drei bis fünf Jahre, so nehmen die Mediziner an, werde Achim Quary entweder zum Dialysepatienten oder benötige eine Spenderniere.

Achim Quary war Fußballer, spielte regelmäßig in den oberen Amateurklassen und kam sogar in der Zweiten Bundesliga zum Einsatz. Zum Zeitpunkt der Erkrankung kickt er immer noch leidenschaftlich. Die Jagd nach dem runden Leder ist aber seitdem vorüber. Die Krankheit erfordert einen Wandel der Lebensgewohnheiten. Er muss diszipliniert leben. "Alkohol und Zigaretten waren eigentlich nie mein Ding, aber ich habe gerne Fleisch gegessen", sagt Achim Quary. Fortan stehen Obst und Gemüse ganz oben auf dem Speiseplan.

Hoffen auf eine Transplantation

Mit diesen Umstellungen kommt er gut klar. Die Symptome sind beherrschbar, aber der prognostizierte Krankheitsverlauf lässt sich nicht aufhalten. Regelmäßige Untersuchungen bestätigen vielmehr die Annahme der Mediziner. 2009 weisen die Ärzte Achim Quary schließlich darauf hin, dass die Zeit gekommen ist, eine grundsätzliche Entscheidung zu treffen: Er steht vor der Alternative, entweder mehrmals wöchentlich zur Blutwäsche zu gehen oder eine Transplantation ins Auge zu fassen.

Er hofft auf eine Transplantation. Michaela Quary steht vor dem Haus der Familie. Achims älterer Bruder ist bereit, sich untersuchen zu lassen und eine Niere zu spenden. Auch seine Frau Michaela möchte helfen. "Sie hat schon nach der ersten Untersuchung vor der Praxis auf mich gewartet. Als ich Michaela berichtete, wie die Krankheit vermutlichverlaufen würde, war sie sofort entschlossen, mir eine Niere abzugeben. Ich hätte sie niemals selber gefragt."

Sorgfältige Voruntersuchungen

Die Entschlossenheit seiner Frau ist für Achim zunächst nicht die favorisierte Lösung. "Unsere DNA ist nicht miteinander verwandt. Deshalb habe ich eher auf meinen Bruder gehofft. Die medizinischen Untersuchungen ergaben jedoch, dass er als Spender nicht in Frage kommt."

Michaela Quarys Bereitschaft zu spenden, rückt damit wieder in den Vordergrund. Die medizinischen Voruntersuchungen des Ehepaares sind äußerst sorgfältig und ziehen sich über ein halbes Jahr. "Bei einer Lebendspende steht das Wohl des Spenders über allem", unterstreicht Achim Quary. Die Abschlussuntersuchungen Anfang Januar 2010 in der Uniklinik Heidelberg ergeben letzte Gewissheit: Der Lebendspende zwischen den Ehepartnern steht nichts mehr im Wege. 

Rasche Genesung

Achim Quary mit seinem Motorrad. Sowohl die Entnahme als auch die Transplantation verlaufen reibungslos. Beide Patienten genesen rasch. Die neue Niere arbeitet sofort ohne Komplikationen. Michaela Quary wird bereits nach fünf Tagen, Achim Quary kurze Zeit später aus der Klinik entlassen.

"Natürlich haben die Medikamente Nebenwirkungen und mein Immunsystem ist nicht mehr so stabil wie vor meiner Erkrankung, aber insgesamt fühle ich mich sehr wohl. Mir geht es heute wesentlich besser als 2006", sagt der 50-jährige. Den Fußball hat er inzwischen gegen einen Basketball eingetauscht. Einmal pro Woche geht er mit Freunden in die Halle und wirft auf die Körbe.

"Fußball schaue ich mir mittlerweile lieber von der Tribüne aus an. Ich bin oft im Fritz-Walter-Stadion in Kaiserslautern. Außerdem fahre ich gerne nach Trier, um dort Bundesligabasketball zu verfolgen. Da ich nun selber spiele, sehe ich auch gerne den Profis zu."

Darüber hinaus pflegt Achim Quary seine Leidenschaft für das Motorradfahren. "Die Begeisterung habe ich vor einigen Jahren entdeckt. Ich brauchte damals einen Ausgleich für meinen stressigen Job." Der Stress hat sich inzwischen erledigt, das Motorrad hingegen ist geblieben.

Viel Zeit für die Familie

Achim Quary hat sein Michaela und Achim Quary lächeln in die Kamera. Arbeitspensum deutlich reduziert und wird sich Ende 2011 beruflich verändern. Mit den Söhnen Alexander (5 Jahre) und Daniel (3 Jahre) möchte er die Zeit genießen. "Meine Prioritäten haben sich komplett verschoben. An erster Stelle steht meine Familie. Ich möchte meine Söhne aufwachsen sehen. Meine beiden älteren Söhne aus erster Ehe haben leider nicht so viel von mir gehabt. Das soll nun anders sein."

"Ohne die Spende meiner Frau wäre vieles nicht möglich gewesen. Weder eine längere Reise noch der Sport oder das Motorradfahren. Wir haben alle von ihrer Entscheidung profitiert. Unsere Beziehung ist dadurch noch intensiver geworden und die Kinder haben einen Vater, der sich unbelastet um sie kümmern kann."

Videoporträt Achim Quary

Videotranskription:

[Achim Quary und seine Frau gehen in einem Waldstück spazieren. Achim Quary beginnt über seine Nierentransplantation zu erzählen. Dazwischen  sieht man einige Szenen aus Achim Quarys Alltag. Wie er Motorrad fährt, wie er mit seiner Frau in seinem Haus auf einer Couch sitzt. Wie er sich gemeinsam mit ihr Fotos seiner Familie anschaut. Wie seine Frau und er gemeinsam mit den beiden Kindern spazieren gehen.]

Achim Quary (lebertransplantiert):

Mein Name ist Achim Quary. Ich bin 50 Jahre alt und vor ein und dreiviertel Jahren unterzog ich mich einer Nierentransplantation. Meine Frau spendete mir ihre linke Niere. Im Jahre 2006 machte mich mein Hausarzt darauf aufmerksam, dass der Creatinin-Wert in mehreren Untersuchungen jetzt immer leicht steigt und nach der Biopsie wurde dann die Diagnose gestellt, dass ich auf absehbarer Zeit eine Nierenersatztherapie beginnen müsste. Dass es eine schwerwiegende chronische Erkrankung ist, die halt schon schwerwiegende Folgen haben könnte. Ist im ersten Moment so, so also war das im ersten Moment so ein richtiger Schlag, weil nämlich eine Woche vorher hat meine Frau ein Kind entbunden. Unser Sohn Alexander und es gehen einem schon etliche Gedanken durch den Kopf. Die Verantwortung die man hat mit kleinem Kind. Das Kind ist noch ein kleines Baby. Da hab ich natürlich permanent an die Familie gedacht. Als der Arzt mir eröffnete, dass eine Lebendspende bei mir herausragende Erfolgsaussichten hätte, dachte ich sofort an meinen Bruder. Habe diesen auch diesbezüglich gefragt und er erklärte sich auch sofort bereit, mir eine Niere zu spenden. Leider ist er dann aus medizinischen Gründen nicht dazu in der Lage gewesen. Ich hatte aber damals sofort gesagt, dass ich meinem Mann eine Niere spende. Ich hatte mich spontan dazu entschlossen und auch nach längerem überlegen hatte ich nicht gezögert. Ich wurde sehr ausführlich aufgeklärt, über auch mögliche Risiken. Ich hatte mich trotzdem dazu entschlossen. Es bestanden zu keiner Zeit irgendwelche Einwände der Ärzte. Ganz im Gegenteil. Primär ist es für mich ein extremer Liebesbeweis. Sekundär sage ich heute, es bedeutet für die gesamte Familie eine wahrscheinliche Erleichterung. Abgesehen von der Medikation, die mir teilweise noch Probleme bereitet, fühle ich mich blendend. Ich kann reisen. Ich gehe schwimmen. Ich mache Spaziergänge. Unter anderem fahre ich sehr gerne Motorrad. Im Moment arbeite ich nicht, aber ich plane, dass ich Anfang nächsten Jahres wieder ins Berufsleben einsteigen werde. Einschränkungen im Leben haben wir keine. Mein Mann ist an die Medikamente gebunden, da wird er auch bis ans Ende seines Lebens drangebunden sein, aber das sind keine Einschränkungen jetzt in dem Sinne. Unser Alltag ist ein Alltag wie bei jedem anderen. Wir haben ein ganz normales Familienleben und darüber sind wir auch sehr froh. Meinen Mann so gesund zu sehen, bedeutet mir sehr viel. Ich bin sehr glücklich darüber, dass das alles so wunderbar geklappt hat und dass die Kinder vor allem einen gesunden Papi haben. Also für mich wär ein Herzenswunsch, wenn sich mehr Menschen für interessieren würden und mehr Menschen auch bereit wären auch Organe zu spenden oder zumindest mal einen Organspendeausweis sich anzuschauen und dann eventuell auch zuzulegen. Weil, ich wünsche es jedem, der in meiner Situation war, dass es ihm später genauso gut wie mir geht nach der Operation.

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